Backpacking Alaska – Teil III – Lachsangeln am Kenai und Beluga River

Autor:
jörg
Bootsfahrt bis an den Rand des Gletschers
Der esrte selber gefangene LachsMotorbootfahrt auf den Wasilla Lakes

Zwei Wochen Alaska sind bereits vorbei. Die Zeit scheint zu fliegen. Wir haben Homer verlassen und sind immer noch mit Bobby unterwegs. Das Ziel ist dabei völlig ungewiss. Sie hat frei, aber keine anderen Mitreisenden und ist in ihrem riesigem Pickup Truck unterwegs. Wir haben nichts außer unseren Rucksäcken, der Ausrüstung und unserer Gesellschaft zu bieten. Wir ergänzen uns also perfekt. In Homer haben wir bereits viele Freunde und Bekannte von ihr kennengelernt. Jetzt geht es zurück auf die Straße. Die Orte und Gegenden, die als nächstes auf dem Programm stehen, kennt sie zwar, ist aber auch eher Tourist als Einheimische. Es ist also wieder eine Fahrt ins Blaue.

Zuerst geht es Richtung Kenai River. Der Fluss ist bekannt für seine „Salmon Runs“ - die Lachs-Wanderungen - und gerade jetzt sollen Unmengen roter Lachse auf ihrem Weg hierher sein. Wir wollen mit unserer geliehenen Angel und dem Angelschein für eine Woche zumindest einen Lachs in Alaska fangen. Bobby will Freunde und vor allem ihren Bruder besuchen. Der wohnt in der Nähe und sie haben sich schon Jahre nicht mehr gesehen. In Homer wurde uns eine Stelle beschrieben, die besonders gut zum Angeln sein soll. Ein Angler, der uns auch Haken und Bleie schenkte, hat eine Anfahrtsskizze auf eine Papierserviette gemalt. Wir versuchen jetzt, die Stelle zu finden. „Ein blauer Zaun“, „in der Nähe von einer Lodge Namens Swift Water“. Mehr Infos haben wir nicht. Am Ende finden wir den Platz oder zumindest das, was wir dafür halten. Eigentlich soll Bill, der Angler, von dem wir die Adresse haben – auch hier sein. Er hat uns zu seinem Lagerfeuer eingeladen. Wir können ihn jedoch nicht finden. Bobby setzt uns hier ab. Sie trifft sich heute mit ihrem Freund Peter. Wir bleiben am Kenai River zurück und versuchen unser Glück beim Lachsangeln.

Hier muss es doch nur so von Lachsen wimmeln!?! Es ist schließlich Alaska. Jeder sollte in der Lage sein, hier einen Lachs zu fangen. So ist unsere Vorstellung. Alles läuft dann aber doch etwas anders ab. Eine Sache läuft jedoch wie sonst auch, wir lernen sofort nette und hilfsbereite Leute kennen. Die haben uns dann auch gleich mit ein paar Infos über Lachse versorgt. Eine wichtige Information zum Angeln ist zum Beispiel die, dass Lachse aufhören zu fressen, sobald sie wieder in Süßwasser sind. Das macht die ganze Angel-Sache dann doch etwas komplizierter. Hier am Kenai fängt man die Lachse durch „Slagging“. Man legt den Lachsen den Haken in den Mund, beziehungsweise man wartet, bis der Haken in den Mund getrieben wird und dann zieht man sie raus- zumindest der Theorie nach. Man will es nicht glauben, aber es klappt wirklich. Unsere Angeltechnik sieht zwar immer noch etwas anders aus als die der einheimischen Angler, aber nach zwanzig Minuten haben wir den ersten an der Angel. Was nicht heißen soll, dass er sofort bei uns im Netz gelandet ist - Das war noch ein langer Weg: diese Biester sind ganz schön kräftig. Nach fünfzehn Minuten Kampf können wir dann einen zwölf Kilo Lachs mit einer geliehenen Linkshänder-Angel, mehrerer helfender Hände herbei eilender Angler und mehr Glück als Verstand an Land bringen. Was für die Angler um uns herum Routine ist, reicht bei uns für Freudesprünge und überschwängliche Beglückwünschungen. Schon alleine deshalb ist es verdient, dass unser Lachs der einzige an diesem Tag bleibt. Alle anderen gehen ohne Fang nach Hause.   

Lachsangeln am Kenai River

Bobby kommt uns recht spät an diesem Abend abholen. Wir haben also noch Zeit, ein Bierchen auf unseren „kapitalen“ Fang zu trinken. Als sie zum Steg kommt, erzählen wir ihr von unserem Glück und freuen uns dabei wie die Kinder. Jetzt heißt es schnell zu einem Ort zu kommen, wo man den Fisch grillen kann. Es geht los zu Bobby`s Bruder. Wir kommen so spät bei ihm an, dass er schon schläft. Er wohnt mitten im Wald in einem Wohnwagen, der auf der Klippe zu einem Steinbruch steht, seinem Steinbruch. Ungewöhnlich! Bobby klopft und er macht die Wohnwagentür auf. Wir stellen uns vor und lassen die beiden dann kurz alleine. Sie quatschen fünf Minuten, dann kommt sie wieder zu uns und sagt uns, dass wir in ihrem Auto schlafen können und sie zu ihrem Bruder in den Wohnwagen zieht. Wir sollen einfach im Steinbruch parken und können gerne noch ein Feuer machen.

Steinbruch in Alaska

Es ist zwar schon spät, aber wir werden heute auf jeden Fall noch unseren Lachs essen. Im Auto ist alles, was wir dafür brauchen. Ein Campingkocher, eine Pfanne, Butter, Pfeffer und etwas Salz. Das wird ein Gaumenschmaus. Der Fisch ist bereits filetiert. Das hat ein anderer Angler bereits am Fluss für uns gemacht. Wahrscheinlich wirken wir, als hätten wir noch nicht viele Lachse filetiert – womit er völlig recht hat. Wir liegen im Steinbruch auf unseren Isomatten. Das Auto und eine gespannte Plane schützen uns vor dem Regen, der vor einer Stunde eingesetzt hat. Stirnlampen leuchten den Kochbereich aus. Uns kann heute nichts die Stimmung verderben. Wir haben vier Riesen-Lachs-Filets. Jedes wiegt circa ein Kilo! Wir fangen an zu kochen, die Pfanne wird mit Handschuhen stabilisiert, dazu ein wohl verdientes Bierchen – so sollte Urlaub immer aussehen. Der Lachs schmeckt genial. Wir essen zwei Filets und drohen danach fast zu platzen. Als wir um halb vier Uhr morgens in den Dodge Pick Up krabbeln und unsere Schlafstätten herrichten quatschen wir noch ein bisschen über den Tag. Wir können gar nicht mehr aufhören zu lachen, denn wenn man den Tag kurz Revue passieren lässt, dann ist dieser Tag alles, aber nicht normal verlaufen - Dass wir gerade in einem fremden Auto mitten in einem Steinbruch liegen, sagt dazu alles.

Am nächsten Tag sollte es dann ähnlich verrückt und erlebnisreich weitergehen. Wir wachen später als Bobby und ihr Bruder auf. Die beiden sind bereits draußen unterwegs. Wir beeilen uns und stehen ebenfalls auf. Sie will etwas mit ihrem Bruder unternehmen und schlägt vor, dass wir das Auto nehmen und sie mit ihrem Bruder fährt. Wir sind gerade aufgestanden, haben noch keinen Kaffee getrunken und sind deshalb nicht in der Lage, etwas Sinnvolles zu entgegnen. Ihr Hund soll ebenfalls bei uns mitfahren. Sie erklärt uns den Treffpunkt für den Nachmittag und fährt zusammen mit ihrem Bruder los. Wir bleiben zurück im Steinbruch von ihrem Bruder. Haben ihr Auto, ihren Hund und ihr komplettes Gepäck – das nenne ich Vertrauen! So ganz haben wir noch nicht realisiert, was da grade passiert ist, deshalb kochen wir erstmal eine Kanne Kaffee.

Was wollen wir heute machen? Unsere Situation hat sich deutlich verändert – wir sind jetzt mobil! Nach dem Frühstück fahren wir also erstmal ein bisschen mit dem Geländewagen über die Straßen Alaskas. Überlegen uns dann, zum Kenai River zu fahren und nochmal ein paar Stunden unser Anfängerglück herauszufordern. Leider wird nichts aus einem zweiten Fang. Wir brechen die Zelte ab und fahren Richtung Treffpunkt. Wir sind etwas spät dran, weil wir die Strecke unterschätzt haben. Ob Bobby nervös wird und eventuell befürchtet, wir könnten abgehauen sein? Sie steht an der Tankstelle und telefoniert. So eine Ruhe muss man haben. Später fragen wir sie, ob sie denn keine Sorgen gehabt hätte aber sie schüttelt nur den Kopf.

Von hier aus wollen wir weiter Richtung Seward und Whittier. Wollen eventuell Kanu fahren, eine Gletschertour machen und uns ansonsten einfach mal wieder überraschen lassen. Leider ist das Wetter in diesen Tagen eher schlecht. Wir fahren zwar nach Whittier und Seward, das einzige was wir unternehmen, ist eine Fahrt mit einem Ausflugsschiff bis an die Kante eines Gletschers. Immer wieder brechen Eisplatten ab und fallen in den See. Die Farben sind beeindruckend. So etwas haben wir alle noch nicht gesehen. Traumhaft schön und auf der anderen Seite, sehr traurig, als der Guide erzählt, wie weit der Gletscher schon zurückgegangen ist. Die Tour entschädigt völlig für das schlechte Wetter. Wir entschließen uns danach dennoch, eine längere Fahrt nach Wasilla zu machen. Wasilla ist die Heimatstadt von Bobby, sie ist bei Freunden eingeladen und schlägt vor, dass wir mitkommen sollen. Wir fahren die ganze Strecke durch und sind gegen 01.00 Uhr in Wasilla. Kevin, der Gastgeber, ist als einziges noch wach. Alle anderen schlafen schon. Er ist circa 40 Jahre alt und ein echter Experte für belgisches Bier. Wir als Europäer und vor allem Thomas als Belgier müssen uns deshalb unbedingt seine Bar anschauen. Es ist spät, als wir die verschiedenen Biere alle „betrachtet“ haben. Auch hier bauen wir unser Zelt nicht auf. In der Einfahrt steht ein Wohnmobil, das diese Nacht unser neues Zuhause wird.

Gletscher in Alaska

Am nächsten Tag sehen wir sein Grundstück das erste Mal als Ganzes. Es liegt am See, er hat ein Motorboot, mehrere Motorräder – eigentlich alles, was man sich vorstellen kann. Wir bleiben den ganzen Tag hier, fahren mit seinem Boot  raus zum Wakeboarden, gehen Angeln und abends wird gegrillt. Ein rundum gelungener Tag mit sehr zuvorkommenden Menschen. Alles wirkt perfekt. Wir essen zusammen mit ihm, Bobby und seiner Familie dicke, saftige Steaks. Danach wird die Runde ans Lagerfeuer auf der Terrasse verlagert. Bobby soll morgen zusammen mit ihnen auf einen Angelausflug mitten im „Bear Country“ am Beluga River. Hier kommt man nur mit dem Flugzeug hin. Wir werden ein bisschen neidisch, aber dieser Trip sprengt unser Budget und außerdem sind wir nicht eingeladen. Ich weiß nicht warum und ob wir das Gespräch unabsichtlich in diese Richtung geleitet haben, aber Kevin hat scheinbar gemerkt, dass wir auch Lust an so einem Trip hätten. Auf jeden Fall sitzen wir am nächsten Morgen mit im Flugzeug…

Wasilla Lakes

Wasilla Lakes Wakeboarden

Bötchenfahren auf den Wasilla Lakes

Mehr dazu gibt es im nächsten Teil (eigentlich sollte das der letzte Teil werden, aber ich hab mich wohl etwas verplappert).

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