Wenn man Sri Lanka in einem Wort beschreiben würde, wäre es in jedem Fall „atemberaubend“. Und das in vielerlei Hinsicht.
Als wir uns März 2016 zu dritt auf den Weg nach Sri Lanka machten, hatte ich mir um ehrlich zu sein wenig Gedanken darüber gemacht, was Sri Lanka überhaupt für ein Land ist und was uns dort erwarten wird. Eine kleine Insel, welche auf der Landkarte wie ein Zipfelchen vom großen Indien im indischen Ozean liegt, wahrscheinlich nicht viel anders als andere asiatische Länder auch. So dachte ich.

Landeanflug auf Colombo

Schon als wir in Colombo landeten, wurde unmittelbar klar, dass der Ruf der Landsleute, zu den gastfreundlichsten der Welt zu gehören, absolut begründet ist. Dass drei europäische Frauen in einem Land auffallen, in dem die Durchschnittskörpergröße der Frauen bei gerade mal 1,50 liegt und Haarfarbe und Teint genauso wenig ins Bild passen ist selbstverständlich, aber führte bei uns keineswegs zu Unbehagen. Unser Taxifahrer Jude, der uns vom Flughafen ins 10 Kilometer entfernte Negombo brachte, war sehr hilfsbereit und freundlich, genauso wie der Guesthouse- Besitzer unserer ersten Unterkunft, der uns immer mit einem überschwänglichen „Hellooooooooooo“ und einem High- Five begrüßte.

 

Nach fast 24 Stunden auf den Beinen, war es ein unglaubliches Gefühl, plötzlich am anderen Ende der Welt und bei 35 Grad den Sonnenuntergang am Strand mit einem kühlen Bier zu genießen.
Am nächsten Morgen brachen wir ins Landesinnere in Richtung Kandy auf. Dort besichtigten wir unter anderem den Zahntempel, in welchem laut Überlieferungen der linke Eckzahn von Buddha als Reliquie aufbewahrt wird und den Bahirawakanda-Berg auf dem eine kolossale goldfarbene Buddha-Statue steht. Abgesehen von den Tempeln gibt es im Stadtzentrum einen schönen See an dem immer viel los ist. Allerdings ist es bei weit über 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit leider nicht wirklich möglich gelassen durch die Stadt zu schlendern und sich alles in Ruhe anzuschauen. Ein Tipp noch: Essen und Trinken auf den Dachterrassen der Guesthouses ist nur bedingt zu empfehlen. Es sei denn man teilt sein Essen gerne mit einer Horde wildgewordener Affen.

Nach zwei Tagen Kandy ging es für uns weiter mit dem Zug in das kleine Bergdorf Ella. Die Zugfahrt gilt als einer der schönsten auf der ganzen Welt. Und so ist es. Wir kauften Tickets in der zweiten Klasse, was nur zu empfehlen ist, da die erste Klasse klimatisiert ist (was in Asien bedeutet, das Abteil wird auf gefühlte 5 Grad runter gekühlt, Erkältung inklusive) und sich die Fenster nicht öffnen lassen, wodurch man die unglaublich schöne Natur nur durch dreckige Fenster sieht. Die Zugstrecke gleicht teilweise einer Achterbahnfahrt, denn es geht permanent rauf und runter. Dies entschädigt die Aussicht aber völlig. Teeplantagen soweit das Auge reicht, zahlreiche Wasserfälle und kleine Bergdörfer in denen die Kinder einem auf ihren Schulweg zuwinken.

Ella ist ebenfalls ein sehr spezieller Ort. Verschlafen und alternativ, mit vielen netten kleinen Restaurants, Cafés und Hotels. Vor allem lohnt es sich früh aufstehen, um noch vor Sonnenaufgang (Taschenlampe nicht vergessen!) zum Beispiel den „Little Adam’s Peak“ zu besteigen und dort eine wirklich atemberaubende Aussicht bei Sonnenaufgang erleben zu können.
Nach den sechs Tagen im Landesinneren änderten wir spontan unsere Pläne noch weitere Nationalparks zu besichtigen und machten uns direkt auf den Weg in den Süden, an den Strand von Talalla. Dort erwarteten uns menschenleere Strände, Palmen soweit das Auge reicht und ein Guesthouse mit großartigen Besitzern und Justin Bieber Bettwäsche  Queen und ihr Mann leiteten das kleine Guesthouse zusammen mit Freunden und so hatte man direkt das Gefühl Willkommen zu sein. Nachdem uns schon tagsüber jeder Wunsch erfüllt wurde, noch bevor wir ihn überhaupt hatten, aßen wir abends eines der besten Currys der Reise und ließen die Abende mit Gitarre-Sessions und `ner Flasche Wein ausklingen.
Unser nächstes Ziel hieß Merissa, wozu ich hier nicht mehr schreiben kann als: Investiert die 3€ in Wasserschuhe, es gibt ne Menge Seeigel.

Ein weiteres Highlight unserer Reise war in jedem Fall Hikkaduwa. Dieser Ort an der Westküste wird nicht umsonst auch Hippieduwa genannt. Selten habe ich einen so entspannten Ort erlebt, an dem man wunderbar auf den Day-Beds am Strand relaxen kann, den Surfern beim Wellenreiten zugucken kann und der Sonnenuntergang immer noch den vom Vortag übertrifft. Außerdem gibt es unglaublich guten Fisch und natürlich unseren singhalesischen Favoriten Kotthu Roti. Auch hier wurden wir in unserem Hostel „Hug inn“ unglaublich herzlich und offen empfangen, nicht zuletzt von dem Hund des Hostels namens Huggy. Die Besitzer waren sehr interessiert und aufrichtig und erzählten viel von ihrem Leben in Sri Lanka, von ihren Kindern, ihrer Arbeit und von dem Tsunami 2004 und dem Wiederaufbau. An diesem Ort haben wir auch viele andere Reisende getroffen, die zum Teil wochenlang an diesem Ort blieben, der irgendwie verzaubert.

Nachdem wir im Anschluss noch zwei Tage in Bentota den Urlaub ausklingen ließen, machte ich mich auf den Weg zum Flughafen um weiter nach Malaysia zu fliegen. Auch diese Zugfahrt war, genauso wie die von Kandy nach Ella, unglaublich schön. Die gesamte Zugstrecke verläuft entlang der Küste und zwar so nah, dass man je nach Wellengang permanent eine leichte Brise abbekommt und unter sich eigentlich nur noch Wasser sieht.
Sri Lanka hat mich wirklich gepackt und ich werde definitiv noch einmal in dieses tolle Land reisen, indem man eine Gastfreundschaft und Schönheit erlebt, die es wohl nur selten gibt.

Unser Trip durch Sri Lanka